Samstag, 17. Oktober 2009

Rückfall in alte Zeiten

In Dortmund hätte Simpatico Kloppo mit Sicherheit das Elend der Dritten Welt, allgemeine Ungerechtigkeit und - vor allem - Schiri Deniz Aytekin für die Niederlage verantwortlich gemacht: Denn der Unparteiische pfiff häufig fragwürdig und kleinlich, gab Ya Konan eine Gelbe Karte, weil dieser absichtlich an Frankfurt-Torwart Nikolov vorbei grätschte und wirkte sowieso irgendwie grimmig und missmutig. Als hätte ihn jemand mit vorgehaltener Waffe zu dem Job gezwungen. Fakt ist aber leider: Hannover verlor in Frankfurt nicht, weil Aytekin schlecht pfiff - sondern Hannover verlor in Frankfurt, weil Hannover schlecht spielte.
Was man da sehen konnte, war ein Rückfall in überwunden gehoffte Zeiten. Die Roten spielten mutlos wie unter Dieter Hecking. Da war kein Aufbäumen zu sehen; ja eigentlich nicht einmal der Versuch, gegen schwache Frankfurter etwas Zählbares einzusacken. Das Mittelfeld: Ein kollektiver Totalausfall. Jan Rosenthal ist längst nicht fit, verdribbelt sich ein ums andere Mal und ist weit von der Form entfernt, die er hatte, als er noch nicht verletzt war. Wann immer das war. Sofian Chahed bekommt ebenfalls nichts auf die Reihe. Und Arnold Bruggink zeigt eindrucksvoll, dass er eben doch nur ein Spieler für die Rückrunde ist und seine Gala gegen Freiburg doch nur ein One-Hit-Wonder war. Im Sturm macht sich 96-Unikum Jiri Stajner gleich in zweifacher Hinsicht zum Mann des Spiels: Einerseits macht er den zwischenzeitlichen Ausgleich zum 1:1, andererseits verspielt er - abgeseshen von diesem Tor - jeden, jeden, jeden Ball. Keine Frage, Einsatz ist ihm nicht abzusprechen. Aber im Arbeitszeugnis hieße das "stets bemüht". Mehr nicht.
Und schließlich tappt auch noch Andi Bergmann in die Hecking-Falle, wechselt erst spät Pinto für den indisponierten Chahed ein (57. Minute) und noch später Krzynowek für Djakpa (81. Minute). Was die Einwechslung des U23ers Henrik Ernst sollte, der damit fünf Minuten vor Schluss bei Rückstand zu seinem ersten Bundesligaspiel kam, wird wohl Bergmanns Geheimnis bleiben. Ebenso wie die Idee, den hoffnungsvollen Nachwuchsstürmer Jarek Lindner zuhause (und gegen Rostock II verlieren) zu lassen. Das erinnert tatsächlich an Vorgänger Hecking, der dem Nachwuchs - wenn überhaupt - auch nur in aussichtsloser Situation ein Chance gab. Eigentlich schien der ehemalige U23-Coach Bergmann da aufgeschlossener und risikofreudiger. Mal sehen, was am Samstag gegen Stuttgart drin ist, ein Team, das nominell wesentlich besser aufgestellt ist, in der Tabelle aber noch hinter den Roten steht und nun unbedingt gewinnen muss ...

SIR

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